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Informationen für Gynäkologen

Erkrankungen der Vulva

Techniken der Vulvabiopsie

Diagnotische Biopsien im Bereich der Vulva sind kleine Eingriffe, die einfach durchzuführen sind und – von möglichen Reaktionen auf Lokalanästhetika abgesehen – keine Komplikationen erwarten lassen. Die Lokalanästhesie erfolgt entweder durch Injektion oder durch topische Applikation der Anästhetika.

Zur Durchführung oberflächlicher Biopsien ist die topische Applikation von Anästhetika ausreichend. Bewährt hat sich vor allem eine Mischung aus Lidocain und Prilocain (EMLA-Creme), die auf die Biopsiestelle aufgebracht und zum Zwecke der besseren Penetration mit einem Stück Plastikfolie abgedeckt wird (1). Die erforderliche Wartezeit bis zur Durchführung der Biopsie ist von der Hautbeschaffenheit und der Tiefe des Eingriffs abhängig. Für die Haut des Oberschenkels wurde nach 60 Minuten eine ausreichende Anästhesie in 1 bis 2 mm tiefe, nach 120 Minuten in 2 bis 3 mm Tiefe, und nach drei bis vier Stunden in 6 mm Tiefe festgestellt (2). An der Vulva erfolgt die Penetration rascher, so dass eine oberflächliche Biopsie (z.B. mit der Knipszange) in der Regel schon nach 30 Minuten schmerzfrei erfolgen kann. Bei tieferen Biopsien (bis etwa 6 mm) ist ein Wartezeit von 60 Minuten in den meisten Fällen ausreichend. Eine Infiltrationsanästhesie mit Lidocain oder Mepivacain muss daher nur durchgeführt werden, wenn weniger Zeit zur Verfügung steht oder die Biopsie eine Gewebetiefe von 6 mm überschreitet.

Die Wahl der Biopsietechnik ist abhängig von der Art der zu biopsierenden Veränderungen. Bei exophytischen Läsionen bietet sich die Kürettage an, die entweder mit dem scharfen Löffel oder der Ringkürette erfolgen kann. Der scharfe Löffel hat den Nachteil, dass er oft weniger scharf ist als sein Name suggeriert. Die Kürettage führt dann zu einer starken Fragmentierung des Gewebes, die die Beurteilung erschwert, so dass initiale maligne Neoplasien in kleinsten Gewebefragmenten leicht übersehen werden können. Zur Fragmentierung des Gewebes kommt es vor allem, wenn die Hautpartie vor der Kürettage nicht mit den Fingern gestrafft wird, was im Bereich der Vulva technisch schwierig ist. Aus diesen Gründen ist gerade für Kürettagen in Vulvabereich die Ringkürette dem scharfen Löffel vorzuziehen (3).

Bei der Gewebeentnahme mit der elektrischen Schlinge oder dem Laser sind Artefakte umvermeidlich: Die Zellen werden durch die physikalische Schädigung so stark verändert, dass bei kleinen Gewebestücken eine diagnostische Aussage unmöglich sein kann. Größere Gewebestücke sind dagegen beurteilbar, da die Artefakte auf den Randbereich beschränkt bleiben. Die Beurteilung des Randbereiches ist jedoch wichtig, wenn es bei malignen Neoplasien darum geht, on die Veränderungen vollständig entfernt wurden. Lässt sich diese Frage aufgrund von Artefakten nicht sicher beurteilen, muss mit einer höheren Rezidivhäufigkeit gerechnet werden. Eine vergleichende Studie zur Konisation der Vulva ergab eine stark eingeschränkte Beurteilbarkeit der Präparate, wenn der Eingriff nicht mit dem Skalpell, sondern mit dem Laser oder der elektrischen Schlinge durchgeführt worden war (4).

Zur Biopsie nicht-exophytischer Veränderungen im Vulvabereich wird häufig die Knipszange eingesetzt, die besonders einfach zu handhaben ist. In den so gewonnenen Biopsaten lassen sich Epidermis und obere Dermis gut beurteilen ( Abb. 1a und 1b). Die Methode eignet sich daher sowohl zur Anwendung bei initialen epithelialen Neoplasien (z.B. beim Plattenepithelkarzinom in situ) als auch bei entzündlichen Dermatosen, die vor allem Epidermis und obere Dermis betreffen (z.B. bei Candida-Mykosen oder beim Lichen sclerosus et atrophicus). Bei manchen unklaren Dermatosen kann es jedoch wichtig sein, die Tiefenausdehnung des Entzündungsinfiltrates zu beurteilen. In solchen Fällen sollte eine Stanzbiopsie erfolgen, mit der die Epidermis und die gesamte Dermis erfasst werden. Da der scharfe Schneidezylinder der Stanze, die mit einer Drehbewegung unter leichtem Druck vorgeschoben wird, die Kollagenfasern des Stratum reticulare durchtrennt hebt sich das Biopsat über das Niveau der umgebenden Haut und kann mit der Pinzette leicht erfasst und an der Basis abgeschnitten werden ( Abb. 2).

Außer bei unklaren entzündlichen Dermatosen sollten Stanzbiopsien immer dann durchgeführt werden, wenn eine tiefer reichende Infiltration vorzuliegen scheint (z.B. bei positivem Tastbefund). Durch eine oberflächliche Biopsie wird der pathologische Prozess in solchen Fällen nicht repräsentativ erfasst und kann daher nicht zuverlässig beurteilt werden ( Abb. 3a und 3b).

Bei allen genannten Biopsietechniken kann in der Regel auf einen Wundverschluss verzichtet werden. Zur Blutstillung reicht die Kompression für gewöhnlich aus. Nötigenfalls können Blutungen durch Betupfen mit Eisen-III-Chlorid-Lösung oder Monsel’scher-Lösung (Eisen-Subsulfat) gestillt werden. Die Wundabdeckung erfolgt mit Kompression. Ein Verschluss durch Einzelknopfnähte ist nur im Anschluss an größere Stanzbiopsien (> 4 mm Durchmesser) erforderlich.

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Last Update: 10.08.2009.